Mit der digitalen Spiegelreflexkamera unter Wasser fotografieren

 

 


Wer hohe Qualitätsansprüche bei Fotos auch an selbst gefertigte Unterwasseraufnahmen stellt, wird sich früher oder später mit dem Einsatz einer digitalen Spiegelreflexkamera beim Tauchen beschäftigen müssen.

Um einen Einstieg in dieses umfangreiche Spezialgebiet der Fotografie zu finden, stellen wir Ihnen hier einen einführenden Leitfaden zur Unterwasserfotografie mit digitalen Spiegelreflexkameras zur Verfügung.

 

Digitale Spiegelreflexkameras

sind in der Regel deutlich größer und schwerer als digitale Sucherkameras und spielen in nahezu allen Belangen in einer anderen Liga als die Kleinkameras, welche ohne Wechseloptiken auskommen müssen.

Diese Faktoren treffen auch auf benötigtes Zubehör wie Unterwassergehäuse zu, die es gestatten mit dem Fotoequipment abzutauchen. Der Markt erhältlicher Unterwassergehäuse ist wie bei den DSLR’s selbst deutlich überschaubarer als dies bei den digitalen Sucherkameras der Fall ist.

Im Bereich der Reflexkameras bietet einzig die Firma Olympus Tauchgehäuse aus dem eigenen Zubehör an. Bei der Verwendung aller anderen Kameramarken ist man auf Zulieferer aus der Unterwasser - Fotobranche angewiesen, was aber absolut nicht als Nachteil zu sehen ist, da hier überwiegend sehr gute Qualität geliefert wird.

Der gekonnte Umgang mit einer digitalen Spiegelreflexkamera im Unterwassergehäuse nebst Blitzgeräten und Blitzarmen, erfordert vom Benutzer ein hohes Maß an Tauchfertigkeiten und ist sicher nicht der richtige Einstieg für taucherische Novizen.

 

Der Dampfsegler "Carnatic". Kiellegung 1862, Havarie 1869 am Abu Nuhas in der Straße von Gubal (Rotes Meer)

 

Mit dem Einstieg in die Materie mag die Wahl der „richtigen“ Kamera anstehen, sofern nicht bereits eine solche vorhanden ist. Besitzen Sie bereits eine DSLR welche auf Tauchstation gehen soll, ist zu prüfen, ob es ein Unterwassergehäuse  für diese Kamera gibt.

Einen ausreichend gut sortierten Markt an Gehäusen findet man für die Marken Nikon, Canon und bereits mit ersten Einschränkungen für Olympus. Modelle von Pentax, Sony, Leica und weiteren werden nur sehr eingeschränkt bedient und sind daher auch recht selten Unterwasser anzutreffen.

Einen Pluspunkt kann jener verbuchen, der kameraseitig nicht gebunden ist oder den Neukauf einer solchen für den Unterwassereinsatz in Betracht zieht. Die Produktionszyklen bei aktuellen DSLR’s sind bekanntermaßen recht kurz. Zwei Jahre sind in der unteren bis mittleren Preisklassen keine Seltenheit, bevor das Nachfolgemodell in den Regalen steht und um die Gunst der Käufer buhlt. Sind diese Kameras trotz Produktionsstopp meistens noch länger erhältlich, sieht das bei den maßgeschneiderten Unterwassergehäusen oft anders aus. Die Gehäuseproduzenten stellen ihre Kleinserien in der Regel recht schnell nach Produktionsende der Kameras ein und begeben sich an die Entwicklung der Nachfolgemodelle. In ein maßgeschneidertes Unterwassergehäuse passt üblicherweise nur ein Kameramodell hinein. Bedienelemente und Funktionsübertragungen sind so individuell gefertigt, dass Kamera und Gehäuse eine feste Bindung eingehen, welche nicht durch den Tausch einer der Partner aufrecht erhalten werden kann. Wer mit dem Gedanken spielt das Gehäuse zu wechseln, wird sich auch mit einem Kamerawechsel konfrontiert sehen. Umgekehrt gilt das Gleiche.

 

Aluminium oder Kunststoff

stehen als Material bei Unterwassergehäusen zur Auswahl. Traditionell stehen die Gehäuse aus CNC – gefrästem, seltener aus gegossenem Aluminium an vorderster Front.

Durch entsprechende Oberflächenvergütung trotzen sie auch den widrigsten Umgebungsbedingungen und haben sich seit Jahrzehnten bewährt.

Generell sind Alugehäuse eng um die Kamera geschnitten, was seitens der Benutzer nur begrüßt werden kann. In ein Gehäuse verpackt erreicht auch die kleinste DSLR Abmessungen welche in Erstaunen versetzen. Allein unter dem Aspekt des Transports im Handgepäck eines Ferienfliegers ist jeder gesparte Zentimeter willkommen. Kunststoffgehäuse sind fast immer deutlich größer und - man staune – ob ihrer statisch bedingten Wandstärken auch schwerer!

Für Alugehäuse sprechen die meist bessere Ergonomie, die Größe, das Gewicht und die Qualität.

Aber auch Kunststoffe wie Polycarbonat kommen häufig zum Einsatz. Weltweit größter Hersteller von Polycarbonatgehäusen für digitale Spiegelreflexkameras, ist die Fa. Ikelite aus den USA. Bei Ikelite wird nahezu jede aktuelle Kamera verpackt. Ganz pragmatisch greift der Hersteller in das Gehäuseregal vorgefertigter Polycarbonatrohlinge von unterschiedlicher Größe und versieht diese mit Durchführungen, welche auf das entsprechende Kameramodell abgestimmt sind.

Von einer Ergonomie wie bei den maßgeschneiderten Aluminiumgehäusen ist man jedoch weit entfernt. Da diese Baukastenlösung aber deutlich günstiger ist, greifen speziell die Gelegenheitsfotografen gerne darauf zurück – an der Qualität selbst ist nämlich wenig auszusetzen.

Ein weiterer Hersteller der sich dem Kunststoff als Gehäusematerial verschrieben hat ist die deutsche Fa. BS-Kinetics.

Im Laminierverfahren entstehen hier Unterwassergehäuse auch für „Kameraexoten“, für die sich anderswo kein Hersteller findet. Da es sich um maßgeschneiderte Gehäuse handelt ist auch die Ergonomie als gut bis sehr gut zu bezeichnen. Besonderheit ist eine Gehäusedeckschicht aus Carbonfasern, welche für eine einzigartige Optik sorgt, aber sonst keinen weiteren Einfluss auf die Gehäuseeigenschaften hat.

Seitens der Kamerahersteller ist es einzig die Firma Olympus, die „ab Werk“ Unterwassergehäuse zu einem Teil der eigenen digitalen Spiegelreflexmodelle anbietet. Diese Gehäuse entsprechen durch das verwendete Spritzgussverfahren einem hohen Fertigungsstandard und sind ebenfalls auf das jeweilige Kameramodell zugeschnitten.

Die Gehäuse werden aber entgegen der üblichen Verfahrensweise mit einem eigenen Blitzbuchsensystem ausgeliefert. Für die Unterwasserfotografie haben sich jedoch Nikonos 5-Pin Blitzbuchsen oder so genannte S6-Buchsen über Jahre hinweg etabliert. Je nach verwendetem Amphibienblitz kann hier ein Austausch der Blitzbuchse am Olympusgehäuse notwendig werden. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Für Kunststoffgehäuse spricht in erster Linie der günstigere Preis im Vergleich zum Aluminiumpendant.




Die folgenden Hersteller von Unterwassergehäusen sind seit Jahren im deutschsprachigen Raum etabliert und sollten Ihr Augenmerk verdienen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

 

Fa. Sealux

Fa. Subal

Fa. Seacam

Fa. UK-Germany

 

Eine umfangreiche Datenbank zu allen Herstellern von Unterwassergehäusen finden Sie unter: www . digideep . de (ohne Leerzeichen).

 

Na welche Kamera denn nun?

Haben Sie die Auswahl an DSLR’s für die es ein Unterwassergehäuse gibt erst einmal eingegrenzt, dürfen natürlich persönliche Vorlieben für eine Marke oder ein spezielles Modell zum tragen kommen.

Im Gegensatz zur „Landfotografie“ bei der z.B. die Haptik einer Kamera ein Kaufargument sein kann, spielt diese bei der Unterwasserfotografie nur eine sehr eingeschränkte Rolle. Die Kamera ist vom Gehäuse umschlossen, woraus sich ein völlig anderes Handling ergibt.

Ein ganz entscheidendes Kriterium für die Kamerawahl ist aber z.B. die Suchergröße der Kamera für die Unterwasserfotografie.

Da die Kamera in ein separates Gehäuse eingebaut und beim Tauchen eine Tauchmaske getragen wird, erhöht sich der Augenabstand zum Sucher. Dieser Abstand beträgt bedingt durch die Gehäusewandung und den Maskentotraum vor den Augen schnell mehrere Zentimeter was dazu führt, dass der Kamerasucher nicht mehr vollständig eingesehen werden kann. Die Gehäusehersteller steuern hier technisch auf verschiedene Weise gegen.

Eine einfache Glasscheibe im Gehäuse vor dem Kamerasucher verbaut nahezu kein Gehäusehersteller mehr. Eine Glasscheibe würde wegen des erhöhten Augenabstandes verhindern, dass der Sucher vollständig überblickt werden kann. Man bekäme nur die Suchermitte zu sehen. Die derzeitigen Standardsucher sind optische Systeme, welche den Kamerasucher für den Betrachter zwar einerseits verkleinern, andererseits aber dafür sorgen, dass er wieder vollständig eingesehen werden kann. Diese Gehäusesucher kennt man als so genannte Hilfssucher oder Gallilei-Optiken. Ist der Kamerasucher bereits recht klein, wird er ein weiters mal durch die Gallilei-Optik verkleinert. Was dann übrig bleibt kann schon sehr enttäuschend sein.

Viele Gehäusehersteller bieten als Zubehör aufwendige „Sportsucher“ in gerader oder winkliger Ausführung an, die immerhin beim durchschauen die Originalgröße des Kamerasuchers trotz Unterwassereinsatzes erhalten. Diese deutlich hochwertigeren Optiken sind zwar kostenintensiv, sollten aber schon von Beginn an in Erwägung gezogen werden. Das es wenig Sinn macht, einen kleinen Kamerasucher wie er häufig bei den günstigen Einsteiger – DSLR’ zu finden ist mit einem teueren Gehäusesportsucher aufzuwerten, scheint logisch.  Die Suchergröße spielt für die Bildgestaltung also eine zentrale Rolle bei der Unterwasserfotografie.



Gerader Sportsucher -  zeigt 100 % des Kamerasucherbildes


Winkelsportsucher - zeigt 100 % des Kamerasucherbildes - drehbar für Hochformataufnahmen


Gallileioptik - verkleinert das Kamerasucherbild

 

Unterwasserfotografie bedeutet unter erschwerten Bedingungen zu fotografieren. Neben der Tatsache sich in einer für den Menschen „lebensfeindlichen“ Umgebung zu bewegen, in der viele Dinge neben der Fotografie zu beachten und zu bewältigen sind, gestalten sich auch die fotografischen Umgebungsbedingungen für gute Aufnahmen als schwierig. In erster Linie seien hier die Lichtverhältnisse genannt. Unterwasserfotografie bedeutet in 2/3 der Fälle Blitzlichtfotografie.

Der in der Überwasserfotografie oft als Stimmungskiller verpönte Blitzlichteinsatz ist unter Wasser ein ständiger Begleiter.

Licht ist unter Wasser bereits ab wenigen Metern Tauchtiefe Mangelware, was für die Anschaffung einer Kamera mit gutem Autofokussystem und für lichtstarke Objektive spricht – zumindest im letzteren Fall ist dies auch an Land immer willkommen.

An dieser Stelle wollen wir die Empfehlungen zur geeigneten digitalen Spiegelreflexkamera für die Unterwasserfotografie bereits einstellen – auch wenn Sie sich wundern mögen.

Auch bei Gesprächen unter engagierten Unterwasserfotografen geht es eher selten um die Verwendung und Qualitäten bestimmter Kameras. Die Kamera selbst ist nur ein Teil der verwendeten Ausrüstung und ist im Verbund mit dem zugehörigen Unterwassergehäuse und dessen Qualitäten,  verwendeter Objektiven, sowie Blitzgeräten und Blitzarmen zu sehen. Häufig kommt es vor, dass der Anschaffungspreis des Kamerabodys preislich im kleinen zweistelligen Prozentbereich der Gesamtinvestition liegt, so dass die Ansprüche an die übrigen Komponenten gleich hoch oder höher sind als die an die Kamera selbst. Die Kamera ordnet sich ein in ein System aus Komponenten, dessen auf einander abgestimmtes Zusammenspiel das erwünschte Ergebnis ergibt.

Bis vor nicht allzu langer Zeit gab es jedoch eine Besonderheit. Der Hersteller Nikon hat frühzeitig das Nikkor 10,5mm 180° Diagonalfisheye - Objektiv für die werkseigenen Kameras mit APS-C- Sensor  angeboten, was bei der Konkurrenz aus dem Hause Canon nicht der Fall war. Allein diese Option war dafür verantwortlich, dass viele Unterwasserfotografen den Weg zu Nikon gewählt haben, da eben diese Extremoptik nicht aus der Unterwasserfotografie weg zu denken ist.

Das Ende 2006 auf dem deutschen Markt erschienene Tokina 10-17mm fisheyezoom für Canon/Nikon und Pentax hat die Karten jedoch neu gemischt. Mittlerweile ist ein weiteres Diagonalfisheye sowie ein erfreut zur Kenntnis genommenes Zirkularfisheye von Sigma für das APS-C Format erschienen, welche die Objektivpaletten komplettieren und abrunden.

Die Frage Nikon oder Canon spielt diesbezüglich keine Rolle mehr.

Eine Empfehlung könnte lauten:

Wählen Sie ein möglichst aktuelles Kameramodell mit angenehmer Suchergröße und akzeptablem Autofokussystem eines renommierten Herstellers. Sollte Ihre Wahl auf ein Modell aus dem Hause Nikon oder Canon fallen, haben Sie die übrigen Komponenten wie Unterwassergehäuse und Amphibienblitze betreffend sicher keinen Fehler gemacht. 

Welche Objektive verwenden?

Bei der Unterwasserfotografie verwendete Objektive sollten möglichst lichtstark sein. Dabei geht es weniger darum, offene Blenden als solche wirklich zur Belichtung zu nutzen, denn in den Genuss eines hellen Sucherbildes für die Bildgestaltung und die beschleunigte Tätigkeit des Autofokus zu gelangen.

Die Lichtverhältnisse unter Wasser sind wie bereits erwähnt oft genug sehr bescheiden. Einem lichtstarken Objektiv fällt es leichter in die Schärfe zu ziehen als einer mäßig empfindlichen Optik. Im Falle von Makroobjektiven stellt dies keine Herausforderung dar. Blenden von f2,8 werden mühelos erreicht und sind brennweitenabhängig mit verhältnismäßig geringem finanziellem Aufwand zu bewältigen.

50 und 60mm Makroobjektive waren bereits zu Zeiten der analogen Fotografie bevorzugte und geschätzte Brennweiten. Daran hat sich wenig geändert, auch wenn sich die Bildwinkel der Objektive bei aktuellen DSLR’s unter Verwendung dieser anlogen Objektive merklich geändert haben. Zumindest bei den Kameras, deren Sensorgröße nicht mehr dem Kleinbildformat von 24x36mm sondern dem APS-C Format entsprechen.

Mit einer gewissen Spannung wird von den Unterwasserfotografen, das seit Monaten vorangekündigte 35mm Makroobjektiv von Tokina erwartet, welches nahezu einen aus anlogen Zeiten bekannten Bildwinkel verspricht.

Makroobjektive versprechen dem Unterwasserfotografen einfache und gelungene Aufnahmen in vielerlei Hinsicht.

Wie bereits erwähnt, hat man bei der Unterwasserfotografie sehr oft mit schlechten Lichtverhältnissen zu kämpfen. Diese resultieren zum Einem aus dem abnehmendem Umgebungslicht bei zunehmender Tauchtiefe, sowie der Sedimentation im Medium Wasser.

Wasser als träges und tragendes Element bietet nie die Transparenz wie Luft.

Feinste Partikel sind im Wasser gelöst, welche sich wie ein Schleier über die Optik der Augen und Objektive legen. Sichtweiten von 30 Metern und mehr in einem Korallenmeer wie dem „Roten Meer“ an der Ostküste Afrikas, sind als außergewöhnlich gut zu bezeichnen und ein glücklicher Umstand für Unterwasserfotografen. Viele andere tropische Meere haben diese Transparenz nicht zu bieten.

Makroobjektive sind Objektive mit denen aus kurzer und kürzester Distanz fotografiert wird. Das hat den Vorteil, dass die Bildergebnisse selbst bei sehr bescheidenen Sichtverhältnissen von 1m oder weniger noch brauchbare Fotos entstehen können. Die Menge der Sedimente zwischen Motiv und Objektiv ist ganz einfach durch die kurze Distanz reduziert. Dies ist umso wichtiger, da fast alle Makromotive beim Tauchen mit Blitzlicht entstehen. Ein Blitzgerät bringt die feinsten Partikel im Wasser ganz deutlich und störend als Schneegestöber auf den Aufnahmen zum Vorschein. Je kürzer die Distanz zwischen Blitzgerät und Motiv, desto weniger Schwebstoffe werden durch den Blitz angeleuchtet.

Farben unterliegen unter Wasser ganz eigenen Gesetzen. Die Filtration des Wassers sorgt dafür, dass die Farbe Rot bereits ab einer Tauchtiefe von 5m nur noch einen Bruchteil ihrer Leuchtkraft wie über Wasser enthält. Mit zunehmender Tauchtiefe verschwinden schnell die Farben, Orange sowie Gelb, bis nur noch grün und blau verbleiben. Die faszinierenden Farben der Unterwasserwelt wieder zum Leuchten zu bringen, gelingt nur noch durch die Hilfe von Blitzlicht.

Makroobjektive mit Brennweiten um 90-105mm kommen ebenfalls gerne und häufig zum Unterwassereinsatz. Sie haben den Vorteil, dass mit ihnen auch scheue Faunisten aus einer  Entfernung abgelichtet werden können, die mit Brennweiten um 50-60mm nicht befriedigend groß fotografiert werden können. Mit Brennweiten über 105mm hinaus muss wird die Unterwassermakrofotografie sehr speziell und schwierig. Hier sind die Anforderungen an die Wassertransparenz, die Leistung des Blitzgerätes und die gekonnte Ausrichtung desselben deutlich erhöht. Das leider nicht mehr gebaute Objektiv von  Nikon „70-150mm Makrozoom“ wird trotz allem von einigen Makrokönnern sogar mit APS-C Kameras bei der Unterwasserfotografie eingesetzt, um extrem scheues Getier gekonnt einzufangen.    

Auch die Kombination aus 50 – 105mm Makroobjektiven mit Telekonvertern zwischen 1,4 und 2- facher Brennweitenverlängerung kommen unter Wasser immer wieder zum Einsatz, um den Abbildungsmaßstab bei gleicher Motivdistanz zu erhöhen.

 

Klassische Motive, welche man mit einer 50 – 60mm Makrooptik einfangen kann:



Am anderen Ende der Bildwinkelgröße steht das Fisheye - Objektiv. Hier in erster Linie das Diagonal- Fisheye mit einem Bildwinkel von ca. 180° diagonal.

Das Fisheye hat wie ein Makroobjektiv die Eigenschaft einer extrem kurzen Naheinstellgrenze. Ein Umstand der für Unterwasserfotografen eben so wie der enorme Bildwinkel von Interesse ist. Diese extrem kurze Distanz zum Motiv, spiegelt sich wiederum in klaren Bildern und beim Blitzen satten Farben nieder. Dabei ist das Fisheye - Objektiv durchaus vielfältiger einzusetzen als man dies im ersten Moment für möglich halten möchte. Beim Fisheye - Objektiv werden nur solche Linien gerade dargestellt, die durch den Bildmittelpunkt verlaufen. Je weiter sich Linien am Bildrand befinden, desto stärker werden sie gekrümmt, was z.B. bei Aufnahmen von Menschen nicht wirklich schön anzusehen ist.

Da es unter Wasser nur sehr selten Geraden, große Muster oder klar definierte Fluchtpunkte wie an Land gibt, lassen sich mit diesem Objektiv auch deutlich mehr Motive aufnehmen, ohne das diese Fisheye - Charakteristik sofort als solche zu erkennen ist. Für die Wrackfotografie, aber auch für Rifflandschaften ist das Fisheye - Objektiv sogar unverzichtbar und sollte in jede Falle zur Ausstattung des Unterwasserfotografen gehören.

Die Wichtigkeit eines Fisheye – Objektives für Unterwasserfotografen mag die Tatsache untermauern, dass bis zum Erscheinen des Tokina 10-17mm Fisheyezoom, viele Unterwasserfotografen auf Nikon als Kameramarke setzten, weil nur für Nikon eine Fisheyeoptik – Nikkor 10,5mm - im APS-C Format erhältlich war. Mit erscheinen des Tokina 10-17mm und des noch recht neuen Fisheye Sigma 10mm, kommen nun auch die Canon Nutzer in den Genuss dieses sehr großen Bildwinkels.

Ein weiterer Vorteil des Fisheye – Objektiv ist neben dem großen Bildwinkel die Tatsache, dass es sich auch noch bei ungünstigen Sichtverhältnissen im Wasser einsetzten lässt. Der durch den großen Bildwinkel eintretende Verkleinerungseffekt der Motive und die kurze Naheinstellgrenze, sorgen auch für eine Minderung und Verkleinerung der sichtbaren Sedimente im Wasser. Somit ist das Fisheye – Objektiv neben dem Makroobjektiv die richtige Wahl bei schlechten Sichtverhältnissen unter Wasser.







 

 

Blitzlicht bei der Unterwasserfotografie

War die Digitaltechnik bei der Fotografie im Allgemeinen ein Meilenstein der Entwicklung, so ist man die Blitztechnik betreffend bei der Unterwasserfotografie wieder in der Steinzeit angekommen.

Die Blitzprotokolle der großen Kamerahersteller waren zu Zeiten der analogen Fotografie auch den Herstellern von Amphibienblitzen bekannt. Somit war es zur anlogen Zeit auch unter Wasser kein Problem mit der TTL – Funktion zu blitzen.

Mit dem Einzug der Digitaltechnik änderten sich aber auch die Blitzprotokolle und variieren sogar von Modell zu Modell. Die Unwissenheit um die Algorithmen der modernen Blitzprotokolle, sowie die kurzen zeitlichen Abfolgen der teilweise multiplen Vorblitze innerhalb der Blitzprotokolle, machen den Herstellern von Unterwasserblitzen das Leben gleichermaßen schwer.  

Die derzeit einzig verlässliche Art mit TTL unter Wasser zu fotografieren, besteht in der Benutzung eines Systemblitzes des Kameraherstellers in einem eigenen Unterwassergehäuse.

 

Der eingebaute Popup – Blitz der Spiegelreflexkameras ist für die Unterwasserfotografie weitgehend ungeeignet. Zum einen fehlt es hier an Leistung und Ausleuchtwinkel, zum anderen befindet sich dieser Blitz zu nah an der optischen Achse des Objektivs. Mit ihm würden sämtliche feinen Schwebteilchen zwischen Motiv und Kamerasensor frontal angeblitzt, was zwangsläufig ein „Schneegestöber“ auf den Bildern zur Folge hätte. Unterwasserblitze müssen an entsprechenden Blitzarmen aus der Objektivachse gerückt werden, um zu sauberen Bildergebnisse zu führen.

In seltenen Fällen versehen die Hersteller ihre Unterwassergehäuse mit einer Scheibe in Front des aufgeklappten Kamerablitzes, um mit dem Kamerablitz optisch einen externen Unterwasserblitz als Sklavenblitz zu „triggern“ (zünden). Üblicherweise werden Unterwasserblitze elektrisch über den Blitzschuh der Kamera und Synchronkabel an Blitzbuchsen gezündet.

 

Systemblitze

sind für die Makro- und Nahbereichsfotografie eine feine Sache. Die Geräte haben ausreichend Leitung auch mit kleinen Blenden korrekt belichtete Ergebnisse zu liefern und funktionieren sehr zuverlässig.

Schwierig wird es aber bereits, wenn zwei Systemblitze im Tandembetrieb Verwendung finden sollen, was im Unterwassereinsatz ebenso häufig vorkommt, wie der Einsatz eines Einzelnen Blitzgerätes.

Bei Nikon und Canon ist es jedoch nicht möglich, 2 Systemblitze wie z.B. den Nikon SB-800 elektrisch mit der Kamera zu verbinden. Hier werden über Wasser Master- und Slaveverbindung auf optischem Weg realisiert.

Extreme Weitwinkel- Fisheye - Aufnahmen sind mit nur einem Systemblitz unter Wasser nicht befriedigend zu realisieren. Diese Blitze verfügen kaum über ausreichende Leitzahlen und Ausleuchtwinkel. Auch die Farbtemperatur jenseits von 5500 Kelvin ist bei diesen Aufnahmen eher kontraproduktiv, zumal das Blitzlicht unter Wasser mit der zurückgelegten Strecke immer kälter wird.

Bei Gegenlichtaufnahmen stoßen auch die modernen TTL-Protokolle belichtungstechnisch an ihre Grenzen. Allzu oft wird vorhandenes Gegenlicht beim TTL-Blitzen von der Elektronik überbewertet, was zwar für einen sauberen Hintergrund aber ein unterbelichtetes Hauptmotiv sorgt. Die Spotmessung auf das Hauptmotiv kann hier in vielen Fällen jedoch für Verbesserung sorgen. Besser ist es jedoch auf die manuelle Blitzleistungseinstellung zurück zu greifen, was bei dieser Art von Aufnahmen aber auch während analoger Zeiten schon üblich war.

Nicht alle Gehäuse für Systemblitze erlauben jedoch diese auch im vollen Umfang unter Wasser zu bedienen. Bei sogenannten Blitzrohren kann es sein, dass sie den Systemblitz eingeschaltet einbauen müssen und sonst keinen weiteren Einfluss auf das Blitzgerät haben außer den Funktionen, die sie von der Kamera aus einstellen können. Zumeist reicht aber auch die plus/minus – Korrektur als manueller Eingriff aus.

Andere Systemblitzgehäuse lassen aber nahezu sämtliche Bedienmöglichkeiten zu, weil sie ähnlich wie die Kameragehäuse mit Druckknöpfen und Durchführungen versehen sind, die auf den verwendeten Systemblitz zugeschnitten sind. Es gibt sogar Modelle in die eine zusätzliche Pilotleuchte über Halogen- oder LED-Birnen integriert ist.

 


Hersteller von Systemblitzgehäusen für Nikon und Canon sind aus dem deutschsprachigen Raum:

 

Fa. Seacam

Fa. Sealux

Fa. Subal

 

 

Echte Unterwasserblitze / Amphibienblitzgeräte

sind Blitzgeräte, welche ausschließlich für den Unterwassereinsatz konzipiert sind.

Die Gehäuse bestehen wie auch die Unterwassergehäuse für die Kameras aus Aluminium oder Kunststoff. Amphibienblitze gibt es in verschiedenen Größen, Leistungsklassen und Ausstattungsvarianten. Professionelle Geräte sind den Anforderungen an die Unterwasserfotografie angepasst. Überwasser groß und schwer präsentieren sie sich im Unterwassereinsatz zumeist als nahezu Gewichtsneutral oder gar mit leichtem Auftrieb versehen, was das Handling entsprechend erleichtert. Ähnlich wie bei der Verwendung von Weitwinkel- oder Fisheye - Objektiven, kommen Domescheiben vor den Blitzröhren zum Einsatz, um den Bild- Ausleuchtwinkel zu erhöhen. Große Ringblitzröhren sind dabei ebenfalls üblich und förderlich. Im Zentrum der Blitzröhre befindet sich häufig ein sogenanntes Pilotlicht, welches dem Anvisieren des Motivs dient und den Autofokus der Kamera unterstützt und in Topmodellen sogar dimmbar ist.

Beim sogenannten „Point-Shooting“ (der Blitz wird frei in einer Hand geführt), ermöglicht das Pilotlicht eine Blitzlichtbeurteilung bereits vor der Aufnahme.

Kräftige Amphibienblitze sind häufig mit wärmeren Blitzröhren <5000 Kelvin ausgestattet, was sich positiv bei Weitwinkel- oder Fisheye - Aufnahmen bemerkbar macht. Bei wenigen Modellen ist es sogar seitens des Benutzers möglich, Blitzröhren  unterschiedlicher Farbtemperatur selbst zu wechseln – eine formidable Lösung.

Zwar gibt es Bemühungen seitens der Amphibienblitzhersteller, die modernen TTL-Protokolle der Kamerahersteller in ihren Geräten zu integrieren, jedoch ist dies in Ermangelung der Originalblitzprotokolle noch nicht reibungslos gelungen. Aus der Not eine Tugend machend, besinnen sich die Unterwasserfotografen auf Ihre Kenntnisse um das Zusammenspiel aus Blende, Zeit und Blitzleistung und stellen die Parameter wieder manuell an den Gerätschaften ein.

Mit ein wenig Übung und der Möglichkeit das Bildergebnis nebst Histogramm sofort nach der Aufnahme auf dem Display kontrollieren zu können, ist das auch kein Hexenwerk.

Um jedoch differenziert manuell blitzen zu können, muss der Amphibienblitz über mehrere manuelle Leistungsstufen verfügen. Sind diese nicht vorhanden, kann das Bildergebnis ausschließlich über die Blende geregelt werden, was sicher nicht im Sinne des Fotografen ist.

 

Die International Air Transport Association “IATA” zeichnet für den sicheren Transport von Gütern und Menschen in der Luft verantwortlich. Die Vorgaben der IATA besagen für den Transport von Blitzgeräten, dass diese ausschließlich im Handgepäck unter Trennung von Brenner/Blitzröhre und Stromversorgung (Batterien/Akkus) erfolgen darf.

Kaufen Sie kein Blitzgerät mit dem sie im Flieger verreisen wollen, wenn diese technischen Voraussetzungen nicht gegeben sind.  Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Flughafenpersonal welches für die Handgepäckkontrollen verantwortlich ist, durchaus durchzugreifen bereit ist und das Blitzgeräte welche nicht den Vorschriften entsprachen schon am Boden blieben. In Zeiten weltweit zunehmender Terroraktivitäten ist eine weitere Verschärfung solcher Vorschriften nicht auszuschließen.

 

Hersteller von Amphibienblitzen finden sie hier:

 

Fa. Hartenberger Unterwassertechnische Geräte GmbH

Fa. Subtronic GmbH

 

 

 

Blitzarme

sind eine notwendige Ergänzung zu den Blitzgeräten. Als Bindeglied zwischen dem Kameragehäuse und dem Blitzgerät werden verschiedene Anforderungen an sie gestellt. Zum einen sollen sie wenn möglich das mitunter kiloschwere Blitzgerät auch an der Oberfläche fest in seiner Position halten, zum anderen sollte es mit dem Blitzarm möglich sein, den Blitz leicht und geschmeidig beim Tauchen in die gewünschte Position zu manövrieren. Anforderungen, die nicht jeder Blitzarm uneingeschränkt erfüllen kann.

Durchgesetzt haben sich Blitzarme mit Standen an deren Ende sich Kugeln befinden, welche in Pfannen laufen und durch Spannhebel fixiert oder gelöst werden können. Als Material kommen wiederum Aluminium oder Kunststoffe zum Einsatz. Oft auch eine Kombination aus beiden Materialien. Sparen sie nicht an einem hochwertigen Blitzarm. Ein dünnes Plastikärmchen kann keine Ergänzung zu einem 2-Kilo Aluminiumblitz sein. Schnelles und problemloses verstellen und auf die jeweilige Fotosituation reagieren können, sind eine Mindestanforderung, die gute Blitzarme erfüllen müssen.

Bei Makroaufnahmen kommt man häufig mit kurzen Blitzarmelementen aus, wogegen bei Weitwinkel- und Fisheye – Aufnahmen längere Segmente gefordert sind. Die namhaften Hersteller von Blitzarmen bieten diese verschiedenen Elemente auch einzeln an, so dass ein Blitzarm ergänzt und erweitert werden kann. Blitzarme finden sie bei allen Herstellern von Amphibienblitzgeräten im Programm.

 

 

Blitzkabel

werden nur allzu häufig sehr stiefmütterlich von den Unterwasserfotografen behandelt. Als wichtiges Bindeglied zwischen Blitzgerät und Kamera sollte man ihnen jedoch die nötige Aufmerksamkeit schenken. Durch Ablagerungen an den Kontakten und durch Kabelbrüche bei unsachgemäßem Transport kommt es immer wieder mal zu Ausfällen. Ein sorgsamer Umgang mit den Kabeln hilft dies zu verhindern. Für den Fall der Fälle gehört ein Ersatzkabel auf jeden Fall ins Urlaubsgepäck.

Die gängigsten Kabelverbindungen bestehen aus Nikonos 5 und aus S6 Kabeln. Um mit Canon Kameras TTL blitzen zu können, sind S6 Kabel notwendig. Bei Nikon Kameras werden üblicherweise Kabel nach dem Nikonos 5 Standard verwendet.

 

 

Die Pflege

einer Spiegelreflexausrüstung für Unterwasser ist klar gesagt, deutlich aufwendiger als bei den kleinen Polycarbonatgehäusen für Kompaktkameras.

Der erste schnelle Schritt nach dem Tauchgang sollte selbstverständlich das Abspülen mit Süßwasser sein. Ist dies aus welchem Grund im ersten Moment nicht möglich, lagern sie die Ausrüstung eingewickelt in ein Handtuch oder eine Decke im Schatten. Es soll verhindert werden, dass das Salz aus dem Meerwasser kristallisiert und sich in den Durchführungen und Ritzen des Unterwassergehäuses festsetzt.

Eine gründliche Komplettreinigung von Unterwassergehäuse, Blitzgeräten und Blitzarmen sollte jeweils vor und nach einem Urlaub erfolgen. Hier macht es Sinn, alle für den Benutzer einfach zugänglichen O-Ringe (Dichtringe) vorsichtig zu entnehmen, unter warmem Wasser unter Zuhilfenahme von Spülmittel oder auch Seife von möglichem Schmutz zu befreien und leicht gefettet wieder einzusetzen.

Verwenden Sie zum Fetten ausschließlich Fett, welches vom Gehäuse- Blitzhersteller für die Verwendung freigegeben oder empfohlen ist. So dürfen z.B. Silikon-O-Ringe nicht mit silikonhaltigem Fett behandelt werden, da dieses in den O-Ring hineindiffundieren würde und den O-Ring längt. Er würde nach einiger zeit nicht mehr sauber in der Nut sitzen und einen Wassereinbruch begünstigen. Verwenden sie Fett stets sparsam. Fett dichtet nicht! Es ist einzig dafür gedacht, den O-Ring in der Nut gleiten zu lassen, um ein Verdrehen oder Verklemmen zu verhindern.

Die großen O-Ring-Nuten am Unterwassergehäuse und am Blitzgerät, können sie mit angefeuchteten Ohrenstäbchen reinigen. Angefeuchtet deshalb, damit sie nicht fusseln. Feinere O-Ring-Nuten kann man gut mit feuchten Einmal-Brillenputztüchern reinigen.

 

Die Glasscheiben der Ports reinigen sie bitte nur mit einem sehr weichen für optische Systeme geeignetem Tuch. Vermeiden sie Ablagerungen auf den Gläsern durch eintrocknende Wassertropfen. Die abgelagerten Mineralien sind schwer zu entfernen und lösen sich auch beim Tauchen mitunter erst nach einiger Zeit wieder auf.

 

Manche Hersteller geben für ihre Unterwassergehäuse und auch Blitzgeräte Revisionsintervalle an. Missachten sie diese Empfehlungen nicht einfach. Prüfen sie wie viele Tauchgänge sie mit ihrer Ausrüstung gemacht haben und lassen sie den gesunden Menschenverstand entscheiden, ob sie eine Revision für angemessen halten oder nicht.

Eine gewissenhafte Pflege lässt ihre Kamera und die übrigen Komponenten nachweislich länger leben.

 

Text: Ivo Vaeßen

Unterwasserfotos: Ivo Vaeßen

Produktfotos: Hersteller – mit freundlicher Genehmigung


 

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